Alle Blasen platzen: 1637, 1729, 1837, 1928 und 2015

Meine Prognose des DAX-Höhepunktes im letzten Blog-Eintrag ist mit weniger als ein Prozent Abweichung  eingetreten. Nun möchte ich einen weiteren Blick in die Zukunft werfen. Besonders ermutigt haben mich dazu die vielen sehr positiven Rückmeldungen bei meinen Vorträgen und Workshops.

Heute möchte ich Ihnen über die „Anatomie“ der Blasen berichten und darüber, wo wir im Verlauf der aktuellen Blase stehen. Das ist für Ihr wirtschaftliches Überleben von höchster Wichtigkeit.

Blasen korrigieren nicht, sie platzen. Sie fallen zurück auf den Ausgangspunkt oder ein wenig darunter. Aus der langen Reihe historischer Beispiele sind vier in den folgenden Charts dargestellt.


berühmte Börsenmanien und ihre Folgen

Die Logik der BLASEN: Menschen folgen Emotionen! Diese sind weitgehend von sozialen Stimmungen abhängig. In manchen Phasen gibt es enorme Übertreibungen: ins Positive, es entstehen Blasen oder ins Negative, es entstehen Depressionen. Aus der Entfernung von Jahrhunderten betrachtet fragt man sich ja, ob die alle „dicht waren“.

1637 haben Menschen in Holland am Gipfel der Gier-Blase ihr Haus verpfändet um drei Tulpenzwiebeln zu kaufen!  1729 haben Franzosen über die South-Sea-Company sumpfige Grundstücke in der Nähe von New Orleans gekauft und dafür Ihre Häuser verpfändet. Übrigens die erste bekannte Blase, die von einer „Nationalbank“ induziert wurde, ähnlich der aktuellen. Was wohl nachfolgende Generationen über uns sagen werden?

Für unser Zeitgefühl, unsere Intuition sind Veränderungen über Jahre bzw. Jahrzehnte schwer nachvollziehbar. Ein Hauptzyklus hat immerhin eine Dauer von 70 bis 80 Jahren. Unser ganzes Leben lang haben wir den aufsteigenden Ast des Zyklus` erlebt. All unsere persönlichen Referenzerfahrungen haben wir in diesem Umfeld gemacht. Nun haben wir von 2000 bis 2014 die Gipfelbildung erlebt, die Zeit danach bringt sehr rasche Veränderungen der grundlegenden Lebensbedingungen, die viele überfordern. Wir stehen genau an diesem Punkt. Für Österreicher und Deutsche ist das umso weniger intuitiv nachvollziehbar, als wir in einem der reichsten und stabilsten Wirtschaftsräume der Welt leben.

Die letzten Jahre waren geprägt von „lokal begrenzten“ Blasen. Das waren die Vorboten in einem grundsätzlich noch positiven Umfeld während der Top-Bildung. Zum Beispiel 1990 in Japan, 2002 die „Internetblase“ (Nasdaq Composite), 2005 die Immobilienblase vor allem in den USA und in Teilen Europas, 2008 die Rohstoffblase.

Und aktuell? Dazu etwas später.

Das hässliche Gesicht der Deflation


Dieses hässliche Gesicht der Deflation beschreibe ich am besten am aktuellen Beispiel des Ölpreisverfalles als wichtigsten Bestandteil des Rohstoffindexes. Aktuell steht Rohöl bei ca. 40 bis 50 Dollar und wird Ende 2015/Anfang 2016 die 30 Dollar – Marke testen und bis 2018 die 20 Dollar kurzfristig unterschreiten, wie es der Rohstoffzyklus beschreibt. Das erscheint uns fürs erste ja sehr positiv, weil wir uns viel Geld sparen, wenn Öl und Benzin billiger werden – ABER:

Die Herstellungskosten für ein Barrel Rohöl sind weltweit sehr unterschiedlich. Auf der arabischen Halbinsel ca. 7 Dollar, in den USA zwischen 40 und 80 Dollar, bei der Methode des Fracking noch viel mehr, ebenso in Europa (offshore in der Nordsee). Das bedeutet zum Beispiel für die fast vollständig kreditfinanzierte Fracking-Industrie in den USA innerhalb von ein bis zwei Jahren den Konkurs. Das Gesamtvolumen dabei ist beträchtlich größer als jenes von Lehman Brothers (Auslöser des Crashs 2008) oder jenes von Griechenland.

Viele rohstoffexportierende Länder haben ihre Budgets mit Rohöleinnahmen um die 100 Dollar je Barrel geplant. Eine Halbierung dieser Einnahmen ist wohl nur für wenige zu bewältigen. Was ist dann mit Venezuela, Norwegen, afrikanischen Ländern und vor allem RUSSLAND?

Diese kurze Beschreibung deflationärer Mechanismen soll Ihnen einen Eindruck davon geben, wie sich die Deflation mit zunehmender Geschwindigkeit durch alle Bereiche unserer Welt „frisst“. Folgende Konkurse bedeuten, dass Geld einfach verschwindet. Am Ende eines deflationären Zyklus` verschwinden bis zu 90 Prozent aller Unternehmen.


Und aktuell? An der Kippe!

Einige kurze Abrisse sollten reichen, Ihnen ein Bild zu geben. Dutzende technische und kurzfristige  Indikatoren bestätigen das nachfolgend gezeichnete Bild:

  • Seit zwei Jahren gehen in der entwickelten Welt mehr Unternehmen unter als neue gegründet werden.

  • Eine Geld-/Kreditblase in historischem Ausmaß: Seit der Schuldenkrise 2007 sind die Schulden weltweit um 57.000 Milliarden Dollar oder um mehr als 40 Prozent gestiegen! Insbesondere in Europa und in den Schwellenländern inklusive China.

  • Die Zinsen für viele Anleihen stabiler Staaten sind null! Die bestens informierten Großinvestoren geben viele Milliarden an Staaten weiter, ohne dafür einen Euro oder Dollar zu bekommen. Sie wollen keine Unternehmen kaufen, keine gründen und aktuell auch nicht mehr Aktien erwerben. WARUM?

  • Vier Fünftel der weltweiten Wirtschaftsleistung werden seit 2014 in alternden und schrumpfenden Gesellschaften erwirtschaftet, wie es der Generationenzyklus beschreibt. Weniger Menschen, die je Individuum auch noch weniger ausgeben. Die Nachfrage sinkt! Da hilft es nicht, das Angebot zu erhöhen!

  • Ben Bernanke war 2008 Vorsitzender der FED (US-Notenbank). In einem aktuellen interview hat er zugegeben damals gelogen zu haben, als er die Möglichkeiten der FED wesentlich übertrieben dargestellt hatte. Ein schönes Beispiel dafür, dass Mainstream-Ökonomen, die von Regierungen bezahlt werden, keine verlässlichen Auskunftspersonen sind.

  • Jens Weidmann, Chef der deutschen Bundesbank, sagte vor kurzem in einem Interview: „Noch mehr billiges Geld kauft uns kein Wachstum“. Nachdem er sechs Jahre lang mitgestimmt hat, Geld in die Welt zu pumpen und die EZB (Notenbank Europas) regelmäßig vor Inflation gewarnt hatte. Von einem Mittelschüler erwartet man kürzere Lernzeiten.

  • Südeuropa hat Arbeitslosenraten von 15 – 20 Prozent und macht weiter Schulden.

  • Deutschland hat den steilsten Abfall seiner Ausgabenkurve seit 2014 weltweit. Der Deutschland-Turbo durch die Unterbewertung des Euro geht dem Ende zu. Im Ausgabenzyklus für Automobile ist der Gipfel erreicht - ab nun geht es bergab. Deutschland als Motor Europas stottert. China als Mega-Kunde ist am Ende.

  • Das inflationsbereinigte Real-Einkommen der Österreicher sinkt seit 1997!

  • In China stagniert die Anzahl an Arbeitskräften und damit der zahlungsfähigen Kunden. Diese Anzahl wird ab 2018 sinken. Keine Basis für nachhaltiges Wachstum. China hat die größte Blase der Menschheitsgeschichte geschaffen. Die offiziellen Zahlen stammen von einer Diktatur! Privat erhobene Daten weisen darauf hin, dass ca. 30 Prozent aller Kapazitäten in China nicht genutzt werden. Leestehende Wohnungen, Fabriken, Autobahnen, ja ganze Städte. Wer sollte jemals in diesen Wohnungen leben? Dafür sind die Immobilien in den Großstädten die relativ teuersten der Welt, aktuell mit sinkenden Preisen. Die reichsten Menschen Chinas sind fast vollzählig ausgewandert und sie haben das auch für ihr Kapital organisiert. Ein Grund, warum Wohnungen in den besten Städten der westlichen Welt jeden Preis erzielen.

Neben den beschriebenen langfristigen Indikatoren gibt es auch dutzende kurzfristige. Es ist hier leider nicht der Platz diese zu besprechen. Deshalb in aller Kürze:

Bis Ende des Jahres wird sehr heiß!


Was können Sie tun?

Die Strategien für den wirtschaftlichen Winter sind gänzlich anders, als wir in den letzten Jahrzehnten erfahren haben.

Das wirtschaftliche Überleben sichern!

  • Verkaufen Sie alle frei verfügbaren Anlageinvestitionen sofort!

  • Reduzieren Sie alle Fixkosten!

  • Vermeiden Sie Investitionen, die eine pay-back-Zeit von über zwei Jahren haben!

  • Fokussieren Sie zu 100 Prozent auf den Kundennutzen!

  • Diversifizieren Sie nicht!

  • …..

Mit dem Innovationszyklus gehen!

Der mächtigste Zyklus ist der Generationenzyklus. Er beschreibt die Anzahl der Menschen, die am Wirtschaftskreislauf teilnehmen und ihr Ausgabenverhalten. Der zweitmächtigste Zyklus ist der  geopolitische Zyklus. Dieser beschreibt 18 Jahre relativen Friedens und 18 Jahre mit Konflikten und Kriegen. In dieser Zeit sind wirtschaftliche Aktivitäten naturgemäß behindert. Denken Sie kurz an die aktuelle Vielzahl der Krisenherde dieser Welt.

Der Dritte in der Reihe ist für die entwickelten Länder der 42-jährige Innovationszyklus.

Das ist unsere Chance!

Die kommende Phase der Zerstörung ist auch eine Phase in der Neues entsteht. Die wesentliche Frage ist: „Wer schafft das Neue?“ Und wer schafft es so, dass es ihm wirtschaftlichen Erfolg in dieser globalisierten und technisierten Welt bringt?

Ein Faktor den Sie beispielsweise nutzen können ist, dass heute Technologien und Methoden auch für KMU verfügbar sind, die vor einigen Jahren nur für Großkonzerne leistbar waren. Nutzen sie das!

Ein weiteres Beispiel sind Geschäftsmodelle, die auf Modularisierung und Standardisierung aufbauen und global funktionieren. In meinem letzten Vortrag habe ich dazu das Modulhaus „Commod“ und den Moped-Sharing-Dienst Sco2t vorgestellt.

In meinen Vorträgen und Workshops gehe ich wesentlich konkreter auf einzelne Branchen, Produktgruppen, Weltregionen und weitere Themen ein. Damit Sie Strategien entwickeln können, bevor es zu spät ist.

Bereiten wir uns auf den ökonomischen Winter vor.  JETZT!

 

Ihr Helmut Brückler

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Kommentare: 4
  • #1

    Hans Wondraczek (Montag, 19 Oktober 2015 12:17)

    Sehr geehrter Herr Brückler
    Ihren Vortrag konnte ich in der WK Graz hören. Da ich mich mit Wirtschaftszyklen wie "Der sechste Kontratieff" schon länger beschäftige, sind mir Zyklen vertraut. Ihre Ausführungen über die vier wichtigste Zyklen, vorallem den Generationenzykls, waren für mich beeindruckend. Dass auf Grund des Verbrauches der Generationen für die nächsten Jahrzehnte das Wirtschaftswachstum berechnet werden kann, ist tatsächlich einleuchtend.
    Ich bin Ihnen für diesen fundamentierten Vortrag sehr dankbar
    Hans Wondraczek, Unternehmensberater

  • #2

    Treena Barrio (Donnerstag, 02 Februar 2017 22:57)


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